Ach, die unvermeidlichen ‘kurzen Präsentationen’ im Job…

von Leif Frenzel.

Vielleicht kennen Sie aus Ihrem Arbeitsumfeld auch den gefürchteten Spruch.

Es fängt meistens damit an, daß ein Kollege (oder der Boss) Sie anspricht und ‘mal kurz’ ein Thema mit Ihnen diskutiert. Sie sind höchstens halb interessiert daran — aber machen aus Höflichkeit natürlich ein paar Bemerkungen dazu. Und dann kommt er, der ‘gefürchtete Spruch’:

“Machen Sie / machst Du bitte auf der nächsten Besprechung eine kurze Präsentation zu dem Thema?”

(Ach, seufz …)

Seien wir ehrlich: im Berufsalltag sind ‘kurze Präsentationen’ oft eine leidige und langweilige Routine-Aufgabe. Und zwar nicht nur für die Zuhörer, sondern auch für uns, die wir die Präsentation abhalten müssen: die Themen sind nur mäßig interessant; wir haben selten wirklich Zeit zur Vorbereitung; und wir wissen, daß auch das Publikum nur halbherzig bei der Sache sein wird.

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Legen Sie den Hebel um…

Aber wie wäre es, wenn ich Ihnen sagen würde, daß Sie diese Situation zu Ihrem Vorteil wenden können? Dazu ist kaum mehr nötig als daß Sie sich auf ein kleines Abenteuer einlassen — und in einem kleinen, aber entscheidenden Punkt umdenken.

Wenn Sie das tun, dann können Sie drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: sich rhetorisch verbessern, Pluspunkte für Ihre Karriere sammeln, und eine langweilige Job-Routine in etwas transformieren, das Spaß macht und motiviert.

Wie geht das?

Der Trick besteht darin, die langweilige und leidige Routine-Aufgabe aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

So etwas wird manchmal ein Mindflip genannt, d.h. ein einfaches Umdrehen oder Umklappen (flip) einer mentalen Einstellung. Sie betrachten die Sache also einfach andersherum als üblich, oft mit erstaunlichen Ergebnissen.

Mindflip: die Sache zuerst oder die Rhetorik zuerst?

Worin besteht nun der Mindflip in unserem Fall, im Fall der ‘kurzen Präsentationen’ im Job?

Er besteht darin, daß Sie ab sofort die Rhetorik als erstrangig betrachten, und den Inhalt (das Thema, um das es geht) als zweitrangig.

Ganz richtig — kein Tippfehler! Das ist genau umgekehrt zur üblichen Sicht auf die Dinge. Die übliche Sicht, d.h. die Sicht, die Ihre Kollegen, der Boss, und vermutlich Sie selbst bisher eingenommen haben, ist anders herum. Dort zählt nur der Inhalt, und die Rhetorik (also wie Sie etwas vortragen, wie interessant Sie es gestalten, wie gekonnt Sie eine Performance daraus machen) ist zweitrangig. Deshalb kommt sie auch in den meisten Fällen zu kurz.

Und der Mindflip besteht nun darin: betrachten Sie einfach jede ‘kurze Präsentation’, die Sie im Job geben müssen, als ein Mini-Rhetoriktraining. Nehmen Sie sich einen einzelnen Aspekt vor, den Sie üben wollen. Wählen Sie z.B. Ihre Körperspache (“Ich übe in dieser Präsentation meinen Blickkontakt.” — “Ich übe in dieser Präsentation meine Hand-Gesten.”) Oder wählen Sie vielleicht eine fortgeschrittene Technik.

Erst wenn Sie das festgelegt haben, bauen Sie Ihren Inhalt entsprechend zusammen.

Mit anderen Worten: bei jeder Präsentation sehen Sie die Rhetorik als erstrangig, und die Sache als zweitrangig. Die Sache ist nur der Anlaß für Sie, um Ihre Vortragsfähigkeiten auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Entwickeln Sie ein “Rhetorik first”-Mindset.

Wird mich das nicht zu einer ‘leeren Showfigur’ machen?

Vielleicht löst dieser Vorschlag eine gewissen Besorgnis in Ihnen aus: wird dieses “Rhetorik first”-Mindset mich nicht ‘inhaltsleer’ erscheinen lassen, zu einer reinen ‘Showfigur’ machen?

Sie werden staunen, aber dies ist nicht der Fall. Probieren Sie es aus! In den meisten Fällen wird Ihr Rhetorik-Fokus dafür sorgen, daß Ihre Inhalte besser beim Publikum ankommen, weil Ihr Vortrag ansprechender und interessanter ist. Außerdem werden Sie merken, daß Ihnen das Aufarbeiten der Inhalte leichter fallen wird (und weniger Zeit kostet), wenn Sie vorher schon einen rhetorischen ‘Plan’ haben.

Mit anderen Worten: ein “Rhetorik first”-Mindset wertet ihren Vortrag auf, aber Sie werden kaum Einbußen am Inhalt nötig haben. (Natürlich sollten Sie den Inhalt nicht ganz weglassen — er kommt nur eben erst an zweiter Stelle, statt wie bisher an erster.)

Kleiner Mindflip, große Wirkung…

Kleiner Mindflip, große Wirkung: aus langweiligen Routine-Präsentationen wird ein interessantes und motivierendes rhetorisches Übungsfeld. Sie lernen und entwickeln Ihre rhetorischen Fähigkeiten, und Ihre Kollegen (und Ihr Boß) werden Ihre ansprechenden Präsentationen schätzen — was auch Ihre beruflichen Möglichkeiten verbessern sollte. Und aus dem ‘gefürchteten Spruch’ wird eine ‘willkommene Einladung’. (Wenn Sie so wollen 😉