Lassen Sie Ihre Gespräche nicht versanden

von Leif Frenzel.

Jedes Gespräch hat Momente, in denen es stockt und nur zäh vorangeht. Manchmal kommt es darüber hinweg, und fließt nach kurzer Zeit wieder so, als wäre nichts geschehen. Aber manchmal können Gespräche auch regelrecht ‘versanden’.

Das ist recht unangenehm, vor allem dann, wenn Ihnen etwas an dem Gespräch liegt. Vielleicht liegt Ihnen Ihr Gesprächspartner am Herzen; vielleicht ist es jemand, den man nur mit Glück überhaupt zu sprechen bekommt. Vielleicht ist aber auch der Ausgang des Gesprächs wichtig für Sie: wenn es beispielsweise ein Vorstellungsgespräch ist, oder ein romantisches Date.

Bild: Lassen Sie Ihre Gespräche nicht versanden

In allen diesen Fällen ist es also wünschenswert, daß die Konversation flüssig, lebendig, und für beide Seiten angenehm ist. Wie stellen Sie das an?

(Natürlich hängt es nicht nur von Ihnen allein ab — ein Gespräch ist ja immer ein Spiel, an dem mehrere Personen teilnehmen, typischerweise zwei. Und was die anderen machen, liegt nicht in Ihrer Hand. Dennoch können Sie die richtigen Weichen stellen.)

Wie funktioniert’s?

Schauen wir uns das an einem einfachen Beispiel an. Dieser Dialog könnte sich auf einem Event zwischen zwei Menschen entfalten, die sich gerade kennengelernt haben:

A: Du willst also Deine eigene Firma gründen?

B: Ja, nach meinem Studium. Ich studiere nämlich Wirtschaftsinformatik, hier in Nürnberg. Ich hab jetzt nur noch zwei Semester, dann bin ich fertig. Und dann …

B hat hier offenbar ein Bedürfnis, alles wesentliche zu sagen, und keine relevante Information wegzulassen. Das tut aber Gesprächen oft nicht gut: im Gegenteil, weniger wäre hier mehr.

Stellen Sie sich vor, B hätte so geantwortet:

A: Du willst also Deine eigene Firma gründen?

B: Ja, nach meinem Studium. [Pause, den Gesprächspartner anlächeln]

A: [kann nun nachfragen]

Nun hat A eine Gelegenheit, konkret nachzufragen, zum Beispiel:

  • Ah, interessant. Was studierst Du?
  • Wo studierst Du?
  • Wann bist Du denn mit dem Studium fertig?

Und das ist es, was B eigentlich will, denn das ist für ein lebendiges Gespräch sehr förderlich:

Der andere (A) hat konkrete Anhaltspunkte bekommen, um weiter nachzufragen. In der ersten Version, in der schon auf Anhieb alles gesagt war, hätte A lange nachdenken müssen: “Wie antworte ich nun darauf? Was könnte ich noch fragen?” So entstehen zähe Momente.

Die Gesprächsanteile sind gleichmäßiger verteilt. In der ersten Version hat B viel länger gesprochen als A, und damit das Gespräch dominiert. Das wird A auf Dauer nicht viel Spaß machen — und die Lebendigkeit wird darunter leiden.

B überläßt es A, sich die genaue Nachfrage auszusuchen. Das ist eine wertvolle Information für den weiteren Verlauf des Gespräches. Denn nun weiß B, wofür sich der andere (A) interessiert — in der ersten Version hat B einfach all die Information hingeworfen, und wird nie herausfinden, was A für interessanter hält: den Studiengang, oder den Studienort …

Machen Sie es sich zur Angewohnheit…

Daher also der Ratschlag: wenn Sie im Gespräch auf Fragen antworten, dann versuchen Sie nicht, diese erschöpfend und umfassend zu beantworten — lassen Sie einige interessante Punkte offen! Bringen Sie nicht ‘alles relevante Material’ an — legen Sie der anderen Person Spuren, damit sie selbst einiges davon herausfinden kann.

So wirken Sie weniger dominant, geben Ihrem Gesprächspartner ‘Futter’ in die Hand, um das Gespräch weiterzuspinnen, und finden obendrein noch heraus, wofür sich die andere Person eigentlich interessiert (und wofür nicht).

Konsequent angewandt wird Ihnen das viele zähe und stockende Momente in Ihren zukünftigen Gesprächen ersparen.

Mehr dazu finden Sie übrigens in meinem neuen Buch zur Formulierungskunst. Schauen Sie doch mal rein …